Gemeinde Sehlde
Die Gemeinde Sehlde ist die südlichste Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Baddeckenstedt. Sie besteht aus einem Ortsteil und ist direkt an der Innerste gelegen.
Fläche der Gemeinde in km² 20,38
Einwohner Grundlage Zensus 2022 (Stand 30.09.2025) 842
Allgemeine Verwaltungsvertreterin ist Marina Kiehne.
Realsteuerhebesätze Sehlde
Realsteuerhebesätze für das Jahr 2026
1. Grundsteuer
a) für die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe (Grundsteuer A) 360 v.H.
b) für die Grundstücke (Grundsteuer B) 360 v.H.
2. Gewerbesteuer 420 v.H.
Geschichtliche Informationen
Sehlde liegt am Fuße des Hainbergs, der die naturräumliche Westgrenze des alten sächsischen Salzgaues darstellt. Die Lichtenberge im Norden, der Westerberg im Süden und der Salzgittersche Höhenzug mit Vorberg und Hamberg im Osten umschließen eine fruchtbare Senke, die von Süden nach Norden von der Innerste durchzogen wird.
Erste urkundliche Erwähnung findet Sehlde allerdings erst im Jahre 1130. Zu einem richtigen Rittersitz hat es das Dorf nie gebracht. Im 14. Jahrhundert wird lediglich ein „Sattelhof“ urkundlich erwähnt und daraus geschlossen, dass ein niederes Rittergeschlecht zu jener Zeit ein sogenanntes „festes Haus“ in Sehlde errichtet hatte.
Die Geschichte des Dorfes verlief sehr wechselvoll. Die nach der Reformation auftretenden konfessionellen Gegensätze entluden sich in kriegerischen Auseinandersetzungen, die Tod und Verwüstung in das Dorf brachten.
Schon durch die von 1519 bis 1523 ausgetragene Stiftsfehde dürfte das erstmals zu Beginn des 13. Jahrhunderts erwähnte Partnerdorf Klein-Sehlde (Selede minor) zerstört worden sein. Noch weitaus verheerendere Wirkungen hatte der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648, wobei vor allem die Schlacht bei Lutter am Barenberge im Jahre 1626 den Dörfern des alten sächsischen Salzgaues allergrößtes Leid brachte. Die Art und Weise wie das „Kriegsvolk des Generals Tilly in jener Gegend wütete, veranlasste sogar den damaligen Landesherrn, den Welfenherzog Friedrich-Ulrich, gegenüber dem Deutschen Kaiser bittere Klage zu führen.
Durch einen im Jahre 1643 geschlossenen Sonderfrieden verloren die Welfen die nach der Stiftsfehde eroberte Herrschaft über jenen Landstrich. Als Teil des Amtes Wohldenberg gelangte Sehlde wieder zurück zum Fürstbistum Hildesheim.
Tiefe Wunden hinterließ auch die napoleonische Zwangsherrschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Eine Festschrift über ein im Jahre 1814 in Sehlde gefeiertes „Friedensfest“ aus Anlass des Sieges über Napoleon gibt Auskunft darüber, dass zahlreiche junge Männer aus Sehlde von den französischen Besatzern zum Militärdienst gepresst wurden und von Napoleons fehlgeschlagenem Russlandfeldzug nicht heimgekehrt waren.
Die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts bedeuteten für das Dorf und seine Menschen einen weiteren und sehr schmerzlichen Einschnitt. Von den Steinkreuzen des zum Gedenken der Kriegsopfer errichteten Sehlder Mahnmals kann abgelesen werden, dass 88 Männer aus Sehlde im 1. und 2. Weltkrieg ihr Leben verloren.
Die totale Niederlage des Deutschen Reiches im 2. Weltkrieg und der damit verbundene Verlust der Gebiete östlich von Oder und Neisse waren obendrein ausschlaggebend für eine weitgehende Veränderung der Bevölkerungsstruktur nach 1945. Der auch nach Sehlde führende Treck der Vertriebenen bewirkte, dass sich die Bevölkerungszahl verdoppelte und dies eine große Wohnungsnot zur Folge hatte.
Aus dieser Not heraus entstand - zunächst entlang des Amselweges und der Ringstraße - eine Wohnsiedlung, die jetzt mit der Besiedlung des Baugebietes „Auf dem Bleeke“ einen Abschluss findet. Das später neu erschlossene Baugebiet „Im Hammerloch“ zeigt, dass es nach wie vor attraktiv ist, im ländlichen Rahmen der Gemeinde Sehlde zu wohnen.
Die im Dorf insgesamt geschaffene Infrastruktur in Gestalt von Straßen, Spiel- und Sportmöglichkeiten, der Wasserversorgung sowie einer zentralen Kanalisation und der Erdgasversorgung, stellt die Grundlage einer geordneten dörflichen Fortentwicklung dar.
Die Maßnahmen der Verwaltungs- und Gebietsreform bewirkten, dass Sehlde im Jahre 1965 Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Innerstetal wurde. Im Jahre 1969 wurde die bis dahin zu Sehlde gehörende Ortschaft Wallmerhole an Neuwallmoden abgetreten. Bei der 1974 vollzogenen Bildung der Samtgemeinde Baddeckenstedt erfuhr Sehlde als einzige Mitgliedsgemeinde keinerlei Veränderung. Versuche, die neu geschaffene Samtgemeinde Baddeckenstedt im Zuge der Kreisreform dem Landkreis Hildesheim einzuverleiben, schlugen fehl.
Die im Jahre 1942 durch die Schaffung der Stadt Salzgitter durchgeführte Umgliederung der Innerstetalgemeinden aus dem Landkreis Marienburg in den Landkreis Wolfenbüttel wurde durch die Kreisreform des Jahres 1977 endgültig verfestigt.
Das äußere Bild der Gemeinde wird heutzutage geprägt durch das harmonische Miteinander von Neubauten und gepflegter Bausubstanz, wobei die jahrhundertelang dominierende bäuerliche Struktur nach wie vor erkennbar ist. Ebenso vorhanden ist auch eine gewerbliche Struktur, vor allem in Gestalt von Handwerksbetrieben.
Das dörfliche Miteinander vollzieht sich maßgeblich in zahlreichen Vereinen sowie in der Freiwilligen Feuerwehr. Nicht zuletzt auf diesem Miteinander beruhte eine im Jahre 1981 begründete Partnerschaft mit der Panzerpionierkompanie 20 aus Braunschweig. Die nach der
Auflösung des kommunistischen Imperiums einsetzende europäische Entspannungspolitik führte zu einer neuen Struktur der Bundeswehr, die die Auflösung der Panzerkompanie 20 und damit auch das Ende der Partnerschaft mit sich brachte.
Motor des Gemeindelebens war nach dem 2. Weltkrieg die mit den Kommunalwahlen im Jahre 1948 beginnende kommunale Selbstverwaltung.
Die von da an amtierenden Bürgermeister Ernst Wege, Albert Brasig, Wilhelm Hain und Reinhard Päsler seien stellvertretend für all diejenigen genannt, die im Rat der Gemeinde Sehlde über Jahre und teilweise über Jahrzehnte hinweg bereit waren, Verantwortung zu übernehmen.
Am 1. Februar 2024 übernahm nach der Verabschiedung des langjährigen Bürgermeisters Reinhard Päsler erstmalig eine Frau, Annika Bollmeier, das Amt der Bürgermeisterin in Sehlde.
Nach wie vor überragt der 32 Meter hohe Turm der im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts aus Bruchsteinen errichteten Sehlder Kirche die anderen Baulichkeiten und den stattlichen Baumbestand des Dorfes. Manchmal wirkt der Turm wie ein erhobener Zeigefinger, der Aufmerksamkeit erzielen will; Aufmerksamkeit auf ein schönes niedersächsisches Dorf.
Eine wunderbare Umgebung mitten im Wald findet man im Hainberg. Das historische Gebäude des Jägerhauses bekam im Herbst 2015 einen neuen Besitzer und wurde in den darauffolgenden Jahren aufwändig und umfangreich renoviert.
Seit 2022 wird das Turm- und Jägerzimmer von dem Standesamt der Samtgemeinde Baddeckenstedt auch als Trausaal genutzt.
Übernommen von Hans-Heinrich Scholz und ergänzt durch die Samtgemeindeverwaltung.
Herr Arno Festerling: Detailseite
Ortsheimatpfleger Sehlde
Hubertusstraße 18
38279 Sehlde