Gemeinde Heere
Die Gemeinde Heere ist flächenmäßig die kleinste Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Baddeckenstedt, aber zugleich auch die nach dem Durchschnittsalter der Bevölkerung jüngste. Sehr kurze Wege zum Grundzentrum Baddeckenstedt schaffen Mobilität in attraktiver Wohnumgebung.
Fläche der Gemeinde in km²: 15,28
Einwohner Grundlage Zensus 2022 (Stand 30.09.2025) 982
Realsteuerhebesätze Heere
Realsteuerhebesätze für das Jahr 2026
1. Grundsteuer
a) für die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe (Grundsteuer A) 317 v.H.
b) für die Grundstücke (Grundsteuer B) 317 v.H.
2. Gewerbesteuer 420 v.H.
Geschichtliche Informationen
Die Gebietsreform im Jahre 1974 brachte es so mit sich: die beiden ehemals selbständigen Dörfer Groß- und Klein Heere wurden zur Gemeinde Heere zusammengeschlossen. Heute bietet sich dieses Gemeinwesen dem Betrachter - etwa vom Rand des Hainberges aus gesehen - als eine sehr schön gelegene, geschlossene Einheit dar. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass es zwei Kernbereiche mit enger Bebauung und großen Hofdächern sowie zwei Kirchturmspitzen im Ortsbild gibt, beides verbunden durch eine auch schon recht durchgrünte, in den letzten dreißig Jahren gewachsene Neubausiedlung. Verfolgt man die Geschichte beider Dörfer zurück, so findet man ebenfalls mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes.
Ortsgeschichte
Beide Dörfer sind sehr alt. Der abgeschliffene, kurze und nicht erklärbare Ortsname, die Lage auf sehr gutem Ackerland, die erste Besiedlung an einem Bach in halber Entfernung zwischen Innerste und Hainberg, weisen in eine Siedlungsperiode, die von der ersten Sesshaftwerdung der Menschen in unserer Gegend bis hin zur Eroberung durch die Sachsen im Jahre 531 n.Chr. reichte. Aus sächsischer Zeit haben sich in Groß Heere die Reste eines Thieplatzes erhalten.
In beiden Dörfern gab es früher eine Adelsfamilie, die sich nach dem Ort benannte. In Klein Heere war dies eine hohe, wohl auf die sächsischen Eroberer zurückreichende Familie, die verschiedene Domherren und Pröpste im Bistum Hildesheim stellte. Thedel von Heere besaß neben einem Grundstück in Goslar auch die Zehnten in Klein Heere und in Hahndorf. Letzterer wurde 1150 dem Kloster Riechenberg abgetreten, als sein Sohn Ludolf dort zum Propst gewählt wurde. Die Familie erlosch wohl um 1200.
In Groß Heere war dies eine Dienstmannenfamilie, die ihre Hauptlehngüter mit dem Rittergut in Groß Heere und dem ganzen Dorf Henneckenrode besaß. Sie stand hauptsächlich in Diensten der Grafen von Wohldenberg und der Bischöfe von Hildesheim. Zwei schöne Grabplatten in der Groß Heerer Kirche zeugen noch heute von den beiden letzten Ehepaaren dieser im Volksmund "Herren von Heere" genannten Familie.
Das Rittergut Groß Heere kam nach dem Aussterben der männlichen Nachkommen der Familie von Heere (1567) schließlich im Jahre 1578 an die Familie von Salder und 1644 an die Hildesheimer Kaufmannsfamilie Storre. Nach deren Aussterben belehnte der Bischof von Hildesheim die westphälische Fürstenfamilie von Westphalen auf Fürstenberg mit dem Gut, mit dem er neben dem automatischen Landtagssitz noch das Hildesheimer Ministeramt eines Erbschänken verband. 1817 erwarben die Groß und Klein Heerer Reiheberechtigten das Gut für 50.000 Reichstaler von denen von Westphalen.
Das Land wurde aufgeteilt und die großen Gebäude bis auf das Wohnhaus abgerissen. Darin entstand später eine Zigarrenfabrik.
Neben den Wohldenberger Grafen und Hildesheimer Bischöfen waren in beiden Dörfern auch verschiedene Klöster und geistliche Stiftungen sowie zahlreiche Adelsfamilien Grundbesitzer, an welche die Bauern ihre Abgaben zu leisten hatten. Zahlreiche Urkunden zeugen seit dem Mittelalter von Grundübertragungen, Verpfändungen und ähnlichen Rechtsgeschäften. Die älteste bisher bekannte Urkunde mit dem Ortsnamen "Herre" stammt aus dem Jahre 1131. Die Bauern beider Dörfer betrieben zusammen mit dem rechtlich selbständigen Rittergut eine gemeinsame Feldmark, die erst mit Abschluss der Verkoppelung im Jahre 1858 in getrennte Fluren aufgeteilt wurde.
Die Schule wurde ursprünglich in Groß Heere gemeinsam betrieben. Im Jahre 1717 stellte man in Klein Heere einen eigenen Lehrer an, der aber nur die kleinen Kinder unterrichten durfte. Eine selbstständige Schule bekam man erst 1815. Nach Bildung der Samtgemeinde wurden beide Schulen 1972 aufgelöst. Im Groß Heerer Schulgebäude wurde 1976 ein Kindergarten eingerichtet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl beider Orte stark an, weil viele Heimatvertriebene untergebracht werden mussten. Es spricht wohl für beide Orte, dass viele dieser geprüften Familien in Heere blieben und hier eine neue Heimat fanden.
Die Landwirtschaft, das Sägewerk, die Zigarrenfabrik und die zu Heere gehörende Bierbaumsmühle boten dereinst viele Arbeitsplätze im Ort. Heute arbeiten viele Pendler in den benachbarten Stadtgebieten. Insbesondere unter den Arbeitern der Zigarrenfabrik bildete sich in Heere schon sehr früh eine aktive Arbeitnehmerbewegung heraus. Seit den ersten freien Wahlen nach dem Ersten Weltkrieg war daher in beiden Dörfern bis heute stets die SPD die bestimmende politische Kraft, nur unterbrochen durch die nationalsozialistische Diktatur von 1933 – 1945.
Die steigende Einwohnerzahl führte auch dazu, dass beide Ortsteile durch die Erschließung von Neubaugebieten seit den späten Nachkriegsjahren auch optisch immer weiter zusammenwuchsen. In den 1990er und 2000er Jahren fand eine weitere Welle von Neubauten im Bereich der heutigen Straßen Buchenweg, Hinterm Garten und Birkenweg sowie im Bereich der Straßen Hackelnkamp und Auf der Höhe statt.
Für die Straße Hackelnkamp wurde im Jahr 2012 durch Herrn Rosenthal eine Erzlore gespendet und dort als Dekoration aufgestellt. Im Jahr 2014 wurde das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof in Groß Heere restauriert, 2017 wurde die Fläche rund um das Ehrenmal erneuert. Für den Bereich Nauenburg wurde die Errichtung einer Windenergieanlage geplant, was jedoch im Jahr 2015 abgelehnt wurde. Im gleichen Jahr erreichte auch die Flüchtlingswelle insbesondere aus den Kriegsgebieten des Nahen und Mittleren Ostens, sowie aus Nord- und Ostafrika Heere, wodurch es an einigen Stellen im Ort zu entsprechenden Unterbringungen kam.
Im Jahr 2016 wurde Udo Heinecke für seine bis dahin 25-jährige Tätigkeit als Ortsheimatpfleger geehrt. Im darauffolgenden Jahr wurden hölzerne Dorfeingangsschilder an den drei Ortseingängen aufgestellt. Im Jahr 2020 fand der erste Spatenstich für einen Radweg zwischen Heere und Sehlde statt. Der Radweg wurde im darauffolgenden Jahr, etwa 25 Jahre nach der ursprünglichen Beantragung, eingeweiht. Im gleichen Jahr wurde Georg Oswald für seine 30-jährige Tätigkeit als Hausmeister der Sporthalle geehrt. Bettina Eisenbarth wurde in diesem Jahr zur ersten weiblichen Bürgermeisterin gewählt. Im Jahr 2023 wurde das ehemalige Gemeindebüro in der Thiestraße verkauft.
Die Heerer Kirchen
Ein Pfarrer in Heere wird erstmals 1276 erwähnt, die Pfarre erstmals 1295. Das Patronat besaßen zuerst die Grafen von Wohldenberg, später der jeweilige Landesherr. Bis zur Reformation hatten beide Orte eine eigene Pfarre, danach wurde Klein Heere von Groß Heere aus als Filiale mitverwaltet. Das Groß Heerer Kirchengebäude hat einen alten Turm mit romanischen Schallöffnungen und Teilungssäulen. Das Kirchenschiff musste 1839 neu errichtet werden, nachdem sein Vorgänger von 1785 wegen Baufälligkeit 1833 gesperrt und schließlich abgebrochen werden musste. Neben den erwähnten Grabplatten sind noch ein schöner Kronleuchter sowie die Orgel von 1842 im Inneren zu nennen.
Die Klein Heerer Kapelle wirkt insgesamt sehr alt, mit ihrem wehrturmartigen Turm mit quergestelltem Satteldach und romanischen Stilelementen. Links neben dem Eingang eingemauert befindet sich ein Marienstein mit der Jahreszahl 1378. Das Innere birgt neben bronzenen Altarleuchtern von 1655 sowie einem sechsarmigen Leuchter mit Kugelschaft von 1656 insbesondere ein prachtvoll restauriertes gotisches Altarbild.
Vereine in Heere
1848 entstand aus der Bürgerwehr mit dem Schützenverein der erste Heerer Verein. In den Jahren 1870 beziehungsweise 1872 gründeten sich die beiden Vorgängervereine des heutigen Männergesangvereins. Mit Gründung des Kriegervereins im Jahre 1882 entstand der Vorläufer der heutigen Kyffhäuser-Kameradschaft. Als Sportvereine entstanden 1906 der Radsportverein, der heute durch seine erfolgreichen Einrad-Mannschaften bundesweit für Furore sorgt, sowie 1920 der Fußballverein SV Heere, heute einer der Gründungsvereine des Sportvereins Innerstetal. Mit dem Musikverein (Blasmusik) von 1966 und dem Frauenchor von 1990 entstanden zuletzt zwei musische Vereine.
Alle Vereine waren von Beginn an Gründungen für Bürger beider Ortschaften. Die zahlreichen Heerer Vereine bieten für jedermann die Möglichkeit zu vielerlei sportlicher oder kultureller Betätigung. Ein Sportgelände mit Fußballplatz, Basketballplatz, Flutlichtanlage und Clubhaus sowie der Schützenplatz mit Schützenhaus und gepflegten Schießständen sind ebenso vorhanden, wie eine mit sehr viel Eigenleistung in den Jahren 1990 und 1991 errichtete Sporthalle. Im Jahr 2012 wurde durch den 2009 gegründeten „Club der alten Säcke“ eine auf dem Trommelberg am Ortsausgang in Richtung Baddeckenstedt gepflasterte Abbildung des Heerer Ortswappens mit kleiner Sitzecke eingeweiht.
Die Heerer Feuerwehr
Im Jahr 1891 wurde die Freiwillige Feuerwehr Heere als gemeinsame Wehr für beide Orte gegründet. 1938 fand jedoch eine Aufteilung der Feuerwehr auf die beiden Ortsteile mit separaten Gerätehäusern statt. Dieses änderte sich erst wieder im Jahr 2012 durch die Auflösung der Feuerwehren Groß und Klein Heere und die zeitgleiche Gründung der Feuerwehr Heere. Vier Jahre später beschloss der Rat der Samtgemeinde einen neuen Brandschutzbedarfsplan laut welchem die Feuerwehr Heere neben ihrer Aufgabe als Ortswehr auch die Funktion einer Logistikwehr einnimmt.
In diesem Zuge begann im Jahr 2018 der Neubau eines Gerätehauses an der Hauptstraße. Das ehemalige Feuerwehrhaus von Klein Heere wurde an die Samtgemeinde und später durch diese an die Gemeinde Heere übergeben. Das neue Gerätehaus wurde Anfang 2020 mit über 3.000 Stunden an Eigenleistung fertiggestellt und dient neben der allgemeinen Funktion als Gerätehaus der Feuerwehr Heere auch als Logistikzentrum sowie durch einen Seminarraum als Schulungseinrichtung für die Feuerwehren der Samtgemeinde. Als Logistikfeuerwehr sind die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr Heere als Bestandteil der Fachgruppe Logistik überall in der Samtgemeinde im Einsatz. Der Transport von 115 Schlangen, darunter einigen hoch giftigen Exemplaren, die illegal in einer Privatwohnung in Sehlde gehalten wurden, stellte einen sehr außergewöhnlichen Einsatz in der noch jungen Geschichte der Heerer Feuerwehr dar.
von Udo Heinecke und überarbeitet von Nils Hagemann
Herr Nils Hagemann: Detailseite
Ortsheimatpfleger Heere
38277 Heere